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SchuldnerAtlas 2012: Schuldnerquote bei 9,65 Prozent

Für die gesamte Bundesrepublik wurde zum Stichtag 1. Oktober 2012 eine Schuldnerquote von 9,65 Prozent gemessen. Damit sind rund 6,6 Millionen Bürger über 18 Jahre überschuldet und weisen nachhaltige Zahlungsstörungen auf. Im Vergleich zu 2011 hat sich die Zahl der Schuldner um rund 190.000 Personen erhöht (plus 3 Prozent). (08.11.2012)

Überschuldung in Deutschland nimmt zu

Die  Überschuldung  von  Privatpersonen  in  Deutschland ist 2012 nach einem leichten Rückgang im Vorjahr wieder merklich angestiegen. So hat sich die Zahl der überschuldeten Personen im Jahr 2012 gegenüber dem Vorjahr um rund 190.000 auf bundesweit 6,6 Millionen Betroffene erhöht (+ 3,0 Prozent). Damit sind 9,65 Prozent aller erwachsenen Deutschen über 18 Jahre zum Stichtag 1.Oktober 2012 überschuldet und weisen nachhaltige  Zahlungsstörungen  auf  (2011:  9,38  Prozent).  Die aktuelle Schuldnerquote (9,65 Prozent) bleibt aber trotz des  Anstieges  weiterhin  deutlich  unter  den  Höchstwerten von 2005 bis 2008.

Die Gründe hierfür liegen überwiegend in einer Zunahme der Fälle, die auf Konsumverschuldung zurückzuführen  sind.  Dies  zeigt  sich  im  deutlich  stärkeren  Anstieg der Fälle mit „geringer Überschuldungsintensität“ (+ 4,2 Prozent),  der  in  den  ostdeutschen  Ländern  zudem  höher  lag  (+  7,1  Prozent).  Nach  Jahren  des  Rückgangs der Überschuldung sind jetzt bei steigenden Einkommen und  vergleichsweise  positiven  ökonomischen  Rahmenbedingungen  –  etwa  am  Arbeitsmarkt  –  mehr  ostdeutsche Verbraucher dabei, entgangenen Konsum nachzuholen und auf diese Weise in nachhaltige Zahlungsstörungen zu geraten.

Überschuldung liegt vor, wenn ein Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer  Zeit  nicht  begleichen  kann  und  ihm  weder Vermögen  noch  andere  Kreditmöglichkeiten  zur  Verfügung  stehen.  Am  stärksten  zugelegt  haben  bei  den Hauptursachen der Überschuldung derzeit unangemessenes  Konsumverhalten  (Veränderung  2011/12:  +  31 Prozent),  Scheidung/Trennung  (+  29  Prozent)  und Krankheit  (+  19  Prozent).  Vorwiegend  ökonomische Auslöser  wie  Arbeitslosigkeit  (-  15  Prozent)  und  gescheiterte  Selbstständigkeit  (-  20  Prozent)  haben  zumindest  vorläufig  an  Bedeutung  verloren,  was  zum Großteil  auf  die  noch  relativ  stabile  Konjunkturentwicklung in Deutschland zurückzuführen sein dürfte.

Die  leicht  verschlechterte  Überschuldungssituation  spiegelt sich 2012 in allen 16 Bundesländern Deutschlands  wider.  Alle  Bundesländer  weisen  eine  Zunahme der  Schuldnerquote  auf.  Wie  in  den  Jahren  bis  2010 bleiben  nur  vier  Bundesländer  (Bayern,  Baden-Württemberg,  Sachsen,  Thüringen)  unterhalb  der Schuldnerquote für ganz Deutschland. Weiterhin führen Bayern  (6,98  Prozent)  und  Baden-Württemberg  (7,66 Prozent) das Ranking der Bundesländer mit der geringsten  Überschuldungsquote  an.  Sachsen  folgt  mit  8,72 Prozent  auf  Platz  drei.  Thüringen  (8,78  Prozent)  verbleibt  wie  seit  2009  auf  Rang  vier.  Das  Land  Hessen (9,69 Prozent) liegt wieder auf Rang fünf vor Brandenburg  (9,77  Prozent),  das  sich  wieder  auf  Rang  sechs verschlechtert hat. Die Schlusslichter bilden wie in den Vorjahren  Bremen  (13,62  Prozent),  Berlin  (12,56  Prozent) und Sachsen-Anhalt (12,14 Prozent).

Frauen holen auf – junge Überschuldung bleibt virulent  

Die  aktuellen  Daten  bilden  zunächst  zwei  insgesamt stabile Trends der Vorjahre ab: Weiterhin nimmt der Anteil  der  Frauen  am  Überschuldungsgeschehen  zu  und: Überschuldete  werden  zunehmend  jünger.  So  liegt  der Anteil männlicher Schuldner bei 63,6 Prozent und hat im Vergleich  zum  Vorjahr  leicht  abgenommen  (2011:  63,8 Prozent). Gleichzeitig hat der Anteil von überschuldeten Frauen binnen Jahresfrist leicht zugenommen: von 36,2 Prozent im Vorjahr auf aktuell 36,4 Prozent. Insgesamt sind 2012 rund 4,2 Millionen Schuldner männlichen und rund 2,4 Millionen Schuldner weiblichen Geschlechts.

In  der  längerfristigen  Betrachtung  wird  deutlich,  dass Frauen  ihren  Anteil  an  der  Überschuldung  gegenüber Männern  merklich  vergrößert  haben.  Waren  im  Jahr 2004 nur 2,09 Millionen Frauen von Überschuldung betroffen,  sind  es  2012  bereits  2,4  Millionen.  Dies  entspricht  einem  Anstieg  um  14,8  Prozent.  Bei  den  Männern  ist  tendenziell  eine  Abnahme  zu  erkennen:  Von 4,45 Millionen in 2004 auf 4,2 Millionen im Jahr 2012 – ein  Rückgang  um  5,7  Prozent.  Hauptgrund  für  den Langzeittrend:  Frauen  müssen  im  Rahmen veränderter Lebensformen und Rollenbilder vermehrt, insbesondere als  Alleinerziehende  oder  gleichberechtigte  Einkommensbezieherinnen,  für  auflaufende  Schulden  geradestehen.  

Und  auch  wenn  die  Schuldnerquote  der  jüngsten  Verbrauchergruppe (18 bis 20 Jahre) in diesem Jahr einen Rückgang der Überschuldung aufweist, bleibt das Thema „Junge Überschuldung“ virulent. In Deutschland sind 2012 immer noch rund 216.000 Schuldner jünger als 20 Jahre  (Schuldnerquote:  1,65  Prozent;  -  27.000  Fälle). Gleichzeitig hat die Anzahl der Schuldner in der zweitjüngsten  Altersgruppe  (20  bis  29  Jahre)  um  rund 122.000  Fälle  auf  rund  1,56  Millionen  Überschuldete zugenommen.

Bedenklich  stimmen  auch  starke  Zunahmen  der  Überschuldung bei den Älteren. Sowohl in der Altersgruppe von 50 bis 59 Jahre, aber auch in der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen lässt sich ein Zuwachs um 4,0 Prozent verzeichnen (+ 35.000 bzw. + 17.000 Schuldner). Selbst bei den über 70-Jährigen ist die Zahl der Schuldner um ein  Prozent  gestiegen  (+  1.000  Schuldner).  Ein  Rückgang der Überschuldung wird vor allem bei den 40- bis 49-Jährigen  verbucht  –  um  minus  drei  Prozent  gegenüber dem Vorjahr auf rund 1,56 Millionen Fälle. Zusammengefasst  sind  mittlerweile  rund  27  Prozent  aller Schuldner  jünger  als  30  Jahre  (2012:  26,9  Prozent; 2011: 26,3 Prozent).

Privater  Konsum  zur  Konjunkturstützung  überfordert Verbraucher – Überschuldung wird steigen

Der  gegenwärtige  Anstieg  der  Überschuldung  in Deutschland stellt möglicherweise eine „Nebenwirkung“ der  gesellschaftspolitisch  durchaus  gewünschten  Inanspruchnahme des privaten Konsums zur Wirtschaftsbelebung  nach  sich.  Dabei  könnte  eine  Konsumausweitung die ökonomische Situation und Überschuldungslage  mancher  Verbraucher  mittel-  bis  langfristig  schwächen oder  gar  überfordern. Ein  Anstieg  der Schuldnerquoten in der nächsten Zeit ist nicht auszuschließen.

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