Das Überschuldungsrisiko der deutschen Verbraucher ist gesunken. Trendwende oder Strohfeuer?

18.08.2016

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Der deutsche Verbraucher übt sich derzeit in Kaufzurückhaltung und spart wieder. Das SchuldnerKlima in Deutschland hat sich im Sommer 2016 verbessert.

Nach zwei Verschlechterungen in Folge (Winter 2015/2016 und Frühjahr 2016) rutscht der SchuldnerKlima-Index wieder in den grünen Bereich auf aktuell 102 Punkte (Frühjahr 2016: 98 Punkte). Das Überschuldungsrisiko der deutschen Verbraucher ist somit wieder leicht gesunken. So das Kernergebnis der aktuellen repräsentativen Umfrage.

„Offensichtlich hat die Verunsicherung der Verbraucher durch die Flüchtlingsdebatte, Terrorattacken und nun auch den Brexit, die sich schon in den letzten Umfrageergebnissen andeutete, zeitlich versetzt zu mehr Kaufzurückhaltung und Ausgabenvorsicht geführt. Die Krisen sind in den Köpfen der Verbraucher angekommen“, so Ralf Zirbes, Geschäftsführer Boniversum.

Eigene wirtschaftliche Lage wird von Verbrauchern positiver eingeschätzt – Sparneigung steigt leicht

Sowohl die aktuelle wie auch die zukünftige eigene wirtschaftliche Lage werden vom deutschen Verbraucher derzeit wieder leicht besser bewertet als noch in der Frühjahrsumfrage. 30 Prozent der Verbraucher (Frühjahr 2016: 27 Prozent) beurteilen ihre aktuelle und sogar 32 Prozent ihre zukünftige Lage mit einer guten oder sehr guten Schulnote. Eine Ursache hierfür dürfte im weiterhin stabilen Arbeitsmarkt zu finden sein. Der Anteil der regelmäßigen Sparer erhöht sich, während gleichzeitig weniger Verbraucher angeben, dass ihnen Sparen nicht möglich ist. Beide Veränderungen sind jedoch nicht deutlich genug, um eine Trendwende zu markieren (regelmäßige Sparer: + 0,7 Punkte; „Sparen derzeit nicht möglich“: – 2 Punkte).

Verbindlichkeiten, Kreditnutzung und die kreditbasierte Anschaffungsbereitschaft nehmen ab

Bei den Indikatoren Kreditnutzung und kreditbasierte Anschaffungsbereitschaft ist die Entwicklung deutlich positiver. Sowohl die aktuelle Kreditnutzung wie auch die Bereitschaft „auf Pump“ zu konsumieren, nehmen merklich ab. Derzeit geben rund 61 Prozent (- 3 Punkte) der Verbraucher an, Kredite oder sonstige finanzielle Verbindlichkeiten zu haben. Und nur noch drei, statt wie im Vorquartal fast vier, von zehn deutschen Verbrauchern (33 Prozent; – 3 Punkte) planen zudem, in den nächsten drei Monaten weitere Anschaffungen mit Krediten zu finanzieren. Damit scheint erstmals seit Frühjahr 2015 ein Basistrend gestoppt. Ob die „Konsumfreude“ der deutschen Verbraucher aber auch langfristig gebremst ist, muss sich noch zeigen.

Weniger Schulden und deutlich weniger Schuldenstress

Der so genannte subjektive Schuldenstress hat im Sommer 2016 bei deutschen Verbrauchern abgenommen – und zwar um mehr als 7 Punkte (88,7 Punkte; + 7,4 Punkte). Immer weniger Verbraucher haben das Gefühl, dass ihnen die „finanziellen Verbindlichkeiten über den Kopf wachsen könnten“. Auffällig: Zwar sinkt die Anzahl der Frauen, die unter Schuldenstress leiden zum dritten Mal in Folge (14,9 Prozent; – 1,6 Punkte). Der Wert bleibt aber weiterhin auf sehr hohem Niveau, während der Anteil schuldenstress-geplagter Männer deutlich stärker (10,4 Punkte; – 2,9 Punkte) und unter das langjährige Mittel (11,4 Prozent) sinkt. Drastisch ist der Anstieg bei eher jungen Verbrauchern zwischen 18 und 39 Jahren. Hier hat der Schuldenstress um fast 6 Punkte (15,2 Prozent) zugenommen, während er bei Verbrauchern ab 40 Jahre um über 7 Punkte (10,9 Prozent) abgenommen hat. Letzteres ist vermutlich auch auf die merkliche Rentenerhöhung zum 1. Juli 2016 zurückzuführen.

Trendwende oder Strohfeuer?

Das SchuldnerKlima in Deutschland hellt sich im Sommer 2016 auf – sicher auch dank der weiterhin beständig positiven Konjunkturlage. Kreditverbindlichkeiten, Kreditnutzung und auch die Bereitschaft zu kreditbasierten Anschaffungen sind zurückgegangen, die Sparneigung gestiegen. Die Mehrzahl der Verbraucher blickt eher optimistisch in die Zukunft, allerdings gehen vier von zehn Verbrauchern davon aus, dass sich die Wirtschaftslage in Deutschland und damit auch ihre eigene wirtschaftliche Lage in den kommenden 12 Monaten durch den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (Brexit) verschlechtern wird.

Trotz Positivtrend kann keine Entwarnung für die Überschuldungsentwicklung in Deutschland gegeben werden. Im Jahrestrend liegt das SchuldnerKlima mit 100,3 Punkten nur knapp im „grünen Bereich“ und bleibt unter dem Niveau des Geschäftsjahres 2015. Zudem sinkt der saisonal bereinigte Trendindex um knapp zwei Punkte (100,9 Punkte). Der Trend für die nächsten Monate zeigt eher eine Seitwärts- denn eine Aufwärtsbewegung. Es ist davon auszugehen, dass das Überschuldungsrisiko für viele deutsche Verbraucher und somit auch die realen Schuldnerzahlen mittelfristig steigen werden. Diese Annahme wird auch durch die Zwischenauswertungen der realen Schuldnerzahlen gestützt – Tendenz zunehmend.

Weitere Informationen zu Ansatz und Methodik des SchuldnerKlima-Index Deutschland finden Sie im Gesamtbericht. Grafiken und den ausführlichen Bericht finden Sie unter www.boniversum.de/schuldnerklima-index. Der nächste Schuldner Klima-Index Deutschland wird im November 2016 veröffentlicht.

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