Frühjahr 2016: Der Negativtrend hält an – Das Überschuldungsrisiko ist erneut gestiegen

12.05.2016

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Das Überschuldungsrisiko der deutschen Verbraucher ist erneut gestiegen und rutscht wieder in den „roten Bereich“.

Das SchuldnerKlima in Deutschland hat sich im Frühjahr 2016 zum zweiten Mal in Folge verschlechtert. Im Vergleich zum Vorquartal sinkt der SchuldnerKlima-Index um mehr als zwei auf aktuell 98 Punkte (Winter 2015/16: 101 Punkte). Der Index rutscht in diesem Quartal trotz weiterhin insgesamt positiver Konjunkturlage wieder in den „roten Bereich“. Das Überschuldungsrisiko der deutschen Verbraucher ist erneut gestiegen und bleibt weiterhin angespannt. So das Kernergebnis der aktuellen repräsentativen Umfrage, deren Ergebnisse wie in jedem Frühjahr auch für die 16 Bundesländer vorliegen.

„Unser Klimaindex verschlechtert sich deutlich. Das Ergebnis ist auch ein Indiz für eine Verunsicherung der deutschen Verbraucher. Unsere Sonderfrage zeigt, dass die Themen Flüchtlinge und Terror andere Themen überschatten. Trotz der wahrgenommenen Bedrohungslage zeigen die Verbraucher weniger Ausgabenvorsicht und Kaufzurückhaltung als noch im letzten Jahr. Wir gehen daher davon aus, dass die Überschuldungsfälle in den nächsten Monaten weiter zunehmen werden“, sagt Ralf Zirbes, Geschäftsführer von Boniversum.

Im Bundesländervergleich weisen zehn von 16 Bundesländern eine Verschlechterung des SchuldnerKlima und somit einen Anstieg des Überschuldungsrisikos auf. Nur vier Bundesländer bleiben derzeit eher knapp im „grünen Bereich“: das Saarland (104 Punkte), Nordrhein-Westfalen, Hamburg (jeweils 103) und Thüringen (102). Schlusslichter sind derzeit Rheinland-Pfalz (93) und wie im Vorjahr Bremen (91). Kleiner Lichtblick: Die Entwicklung in Ostdeutschland ist derzeit leicht positiver als in Westdeutschland.

Eigene wirtschaftliche Lage wird von Verbrauchern merklich schlechter eingeschätzt – Sparneigung sinkt

Die deutschen Verbraucher schätzen ihre aktuelle wie auch die künftige wirtschaftliche Lage merklich schlechter ein als im Vorquartal. Nur noch 27 Prozent der deutschen Verbraucher (Winter 2015/16: 33 Prozent) bewerten ihre aktuelle Lage mit einer guten oder sehr guten Schulnote. Die eigene wirtschaftliche Lage für die nächsten Monate wird von rund 31 Prozent (Vorquartal: 34 Prozent) gut oder sehr gut bewertet. Im Vorquartal waren es noch 34 Prozent. Die Sparneigung der deutschen Verbraucher stagniert auf vergleichsweise niedrigem Niveau (32 Prozent) und liegt unter dem langjährigen Mittelwert.

Verbindlichkeiten, Kreditnutzung und die kreditbasierte Anschaffungsbereitschaft nehmen spürbar zu

Sowohl die aktuelle Kreditnutzung der deutschen Verbraucher als auch die kreditbasierte Anschaffungsbereitschaft für die nächsten Monate haben im Frühjahr 2016 wieder zugenommen. Die Anschaffungsbereitschaft hatte im letzten Quartal noch abgenommen. Derzeit geben wieder rund 64 Prozent (+ 3 Punkte) der Verbraucher an, Kredite oder sonstige finanzielle Verbindlichkeiten zu haben. Fast vier von zehn deutschen Verbrauchern (37 Prozent; + 2 Punkte) planen zudem, in den nächsten drei Monaten weitere Anschaffungen mit Krediten zu finanzieren. Hierbei ist die Bereitschaft, kurzfristige Konsumgüter (37 Prozent; + 1 Punkt) und langfristige (mobile) Nutzgüter (PKW; 26 Prozent; + 2 Punkte) mit Hilfe von Krediten anzuschaffen, weiter gestiegen.

„Häufiger“ Schuldenstress der Deutschen steigt merklich – der individuelle Schuldenstress erreicht den zweithöchsten Wert seit 2010

Der so genannte subjektive Schuldenstress hat im Frühjahr 2016 bei deutschen Verbrauchern merklich zugenommen (15 Prozent, + 2 Punkte) und erreicht den zweithöchsten Wert der insgesamt 23 Wellen der SchuldnerKlima-Analyse. Allerdings ist der Anteil der Verbraucher, die sich „manchmal von den finanziellen Verbindlichkeiten überfordert fühlen“, merklich gesunken (35 Prozent; – 4 Punkte). Auffällig: Der Schuldenstress hat sich bei eher jungen Verbrauchern (18 bis 39 Jahre: 9 Prozent; – 6 Punkte) deutlich verringert, bei eher älteren Verbrauchern (40 Jahre und älter: 18 Prozent; + 6 Punkte) in ähnlicher Größenordnung zugenommen. Dies ist aber mutmaßlich auch auf die seit Anfang April wieder aufflammende Mediendebatte um Altersarmut, die Sicherheit der Renten und die mangelnde Altersvorsorge zurückzuführen. Erstaunlicherweise werden die Folgewirkungen von eher jungen Verbrauchern weniger kritisch resp. bedrohlich bewertet als von eher älteren Verbrauchern.

SchuldnerKlima trübt sich weiter ein

Die eher pessimistische Prognose aus dem Vorquartal hat sich bestätigt. Das SchuldnerKlima in Deutschland trübt sich weiter ein. Es rutscht in diesem Quartal trotz weiterhin insgesamt stabil-positiver Konjunkturlage wieder in den „roten Bereich“. Offensichtlich zeigen die hohe kreditgestützte Anschaffungsbereitschaft und weiterhin eher geringe Sparneigung der deutschen Verbraucher Folgewirkungen. Zudem konsumieren die deutschen Verbraucher derzeit nicht, weil die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hierfür gut sind, sondern obwohl sie als schlechter werdend eingestuft werden. Die Überschuldungsampel bleibt daher für viele Verbraucher auch in den nächsten Monaten 2016 „im roten Bereich“. Der saisonal bereinigte Trend-Index (102,5 Punkte) liegt zwar weiterhin über der 100-Punkte-Grenze – bei allerdings im Jahresverlauf wieder merklich zurückgehender Tendenz.

Wichtiger Hinweis: Die Detailergebnisse sind wie bei jeder Frühjahrsanalyse auch für die 16 Bundesländer verfügbar.

Weitere Informationen zu Ansatz und Methodik des SchuldnerKlima-Index Deutschland finden Sie im Gesamtbericht. Grafiken und den ausführlichen Bericht finden Sie hier. Der nächste Schuldner Klima-Index Deutschland wird im August 2016 veröffentlicht.

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