SchuldnerAtlas
Deutschland

Der SchuldnerAtlas Deutschland untersucht, wie sich die Überschuldung von Verbrauchern innerhalb Deutschlands kleinräumig verteilt und entwickelt. Er erscheint jährlich und hat sich als regionales und kommunales Arbeitsinstrument etabliert.

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Überschuldung in Deutschland nimmt weiter zu

Zum vierten Mal in Folge ist die Überschuldung von Privatpersonen angestiegen. 6,9 Millionen Bürger können ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Ca. 65.000 Personen mehr als noch im Vorjahr. Die Überschuldungsquote selbst ist zwar von 10,06 Prozent auf aktuell 10,04 Prozent gesunken. Der leichte Abfall der Quote beruht aber ausschließlich auf dem spürbaren Bevölkerungsanstieg.

Überschuldung mit geringer Intensität steigt erstmalig seit fünf Jahren an
Der Anstieg der Überschuldungszahlen beruht 2017 sowohl auf Fällen mit „hoher“ wie auch mit „geringer“ Überschuldungsintensität. Fälle mit hoher Überschuldungsintensität basieren auf einer hohen Anzahl von Negativmerkmalen, meist juristischen Sachverhalten, unstrittigen Inkasso-Fällen und nachhaltigen Zahlungsstörungen (mindestens zwei vergebliche Mahnungen mehrerer Gläubiger). Ihre Anzahl nahm in den letzten zwöf Monaten um 53.000 Fälle (+ 1,2 Prozent) zu.

Fälle mit geringer Überschuldungsintensität dagegen basieren in der Regel auf nachhaltigen Zahlungsstörungen. Erstmals seit 2013 hat die Zahl der Fälle mit geringer Überschuldungsintensität zugenommen. Rund 12.000 Verbraucher (+ 0,5 Prozent) mehr als im Vorjahr weisen nachhaltige Zahlungsstörungen auf und sind möglicherweise auf dem Weg in eine Überschuldungskrise. Der aktuelle Anstieg korreliert mit einer Zunahme der Konsumverschuldung. Das Konsum- und Geschäftsklima erreichte in den letzten zwölf Monaten Bestwerte, während die Sparquote mit 9,71 Prozent unter dem Vorjahreswert liegt.

Überschuldung nach Alter und Geschlecht
Vier von fünf neu überschuldeten Personen sind älter als 50 Jahre. Das Thema „Altersüberschuldung“ bleibt virulent und zeigt einen weiter ansteigenden Trend. 2017 müssen rund 194.000 Menschen in Deutschland ab 70 Jahren als überschuldet eingestuft werden (+ 20.000 Fälle; + 12 Prozent). Die entsprechende Überschuldungsquote (1,50 Prozent; + 0,16 Punkte) liegt weiterhin deutlich unter den Vergleichswerten der anderen Altersgruppen. Der Anstiegstrend ist im Mehrjahresvergleich 2013/2017 mit plus 76 Prozent allerdings überdurchschnittlich. Die höchste Überschuldungsquote bietet aber weiterhin die Gruppe der 30 – 39jährigen mit 18,93 Prozent.

Mit rund 4,25 Millionen sind auch 2017 fast doppelt so viele Männer wie Frauen (2,68 Millionen) über 18 Jahre überschuldet. Jedoch nahm die Zahl der Überschuldungsfälle in diesem Jahr bei Frauen stärker zu (+ 39.000 Fälle) als bei Männern (+ 26.000 Fälle).

Osten Deutschlands stärker von Überschuldung betroffen
Die Überschuldungsquote liegt aktuell in den neuen Bundesländern (10,42 Prozent, ohne Berlin) zum sechsten Mal in Folge über dem Vergleichswert im Westen (9,97 Prozent). Insgesamt sind in diesem Jahr im Westen rund 5,79 Millionen Personen als überschuldet zu betrachten, im Osten Deutschlands sind es rund 1,12 Millionen. Der Anstiegstrend hat sich zwar im Vergleich zum letzten Jahr sowohl im Osten wie auch im Westen Deutschlands wieder verlangsamt. Die Überschuldungsspirale dreht sich im Westen jedoch weiterhin schneller. Der (prozentuale) Anstieg der Fälle mit hoher Überschuldungsintensität ist hier stärker ausgeprägt als im Osten und die Zahl der Fälle mit nachhaltigen Zahlungsstörungen nehmen im Westen zu, während ihre Zahl im Osten sinkt. Auch deshalb fällt die absolute Zunahme der Überschuldungsfälle im Westen Deutschlands (+ 62.000 Fälle) deutlich stärker aus als im Osten (+ 3.000 Fälle).

Überschuldungsquoten der Bundesländer
Die weiterhin negative Entwicklung spiegelt sich auch im Vergleich der Überschuldungszahlen nach Bundesländern wider. Zwar weisen zwölf Bundesländer einen Rückgang der Überschuldungsquote, aber nur ein Bundesland weist auch einen Rückgang der Überschuldungsfälle auf (Brandenburg: 10,02 Prozent; – 0,12 Punkte; – 1.000 Überschuldungsfälle). Die stärksten Anstiege verzeichnen Bayern (7,47 Prozent; + 0,11 Punkte) und Sachsen (9,97 Prozent; + 0,08 Punkte). Bayern und Baden-Württemberg führen weiterhin fast traditionell das Ranking der Bundesländer an. Auffällig: Die Anstiege der Überschuldungsfälle liegen in Bayern seit 2015 über denen in Nordrhein-Westfalen und in Baden-Württemberg.

Überschuldungsquote der Bundesländer

SchuldnerAtlas 2017: Überschuldungsquote der Bundeländer

Top 3 Landeshauptstädte

Hohe Schuldnerquote

Wiesbaden: 16,66 % (- 0,11)
Saarbrücken: 16,48 % (+ 0,08)
Magdeburg: 14,63 % (- 0,17)

Niedrige Schuldnerquote

Mainz: 7,90 % (- 0,03)
München: 8,92 % (+ 0,29)
Potsdam: 8,99 % (- 0,10)

Zahlen und Fakten

Überschuldete Personen in Deutschland 2017:
6,9 Millionen (+ 65.000)
Überschuldungsquote 2017: 10,04 Prozent (- 0,02 Prozent)

Überschuldungsquote Männer: 12,59 % (- 0,13)
Überschuldungsquote Frauen: 7,61 % (+ 0,06)

Gastbeitrag „Die angegriffene Mitte“

Erfahren Sie mehr zu dem spannenden Sonderthema im SchuldnerAtlas 2017, dass sich mit den individuellen Folgen von Überschuldung auf Familien aus der Mittelschicht in Deutschland befasst.

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Überschuldung in Deutschland

Der SchuldnerAtlas Deutschland untersucht, wie sich die Überschuldung von Verbrauchern innerhalb Deutschlands kleinräumig verteilt und entwickelt und hat sich als regionales und kommunales Arbeitsinstrument etabliert.

Als überschuldet gelten Personen, die ihren Zahlungsverpflichtungen mit großer Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum nicht nachkommen können, da die zu leistenden Gesamtausgaben höher sind als die zu erwartenden Einnahmen. Mit Hilfe der Schuldnerquoten, das heißt dem Anteil der Personen mit Negativmerkmalen im Verhältnis zu allen Personen ab 18 Jahren, kann die Überschuldung in ihrer geographischen Verteilung bis hin auf die Ebene von Straßenabschnitten dargestellt werden.

Der SchuldnerAtlas Deutschland erscheint jeden Herbst und wird vom Verband der Vereine Creditreform e. V., von microm Micromarketing-Systeme und Consult GmbH und von Creditreform Boniversum veröffentlicht. Die Redaktion liegt bei Dr. Rainer Bovelet, Aachen.

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