SchuldnerAtlas2019-11-14T11:01:04+01:00

SchuldnerAtlas
Deutschland

Der SchuldnerAtlas Deutschland untersucht, wie sich die Überschuldung von Verbrauchern innerhalb Deutschlands kleinräumig verteilt und entwickelt. Er erscheint jährlich und hat sich als regionales und kommunales Arbeitsinstrument etabliert.

Überschuldung nimmt geringfügig ab

Die Zahl überschuldeter Privatpersonen in Deutschland ist erstmals seit 2013 leicht rückläufig. Die Überschuldungsquote, also der Anteil überschuldeter Personen im Verhältnis zu allen Erwachsenen in Deutschland, sinkt von 10,04 Prozent auf exakt 10, 00 Prozent (Stichtag 1. Oktober 2019). Das sind rund 10.000 Personen weniger als im vergangenen Jahr. Damit sind weiterhin über 6,9 Millionen Bürger überschuldet und weisen „nachhaltige Zahlungsstörungen“ auf.

„Harte“ Überschuldung nimmt ab, „weiche“ Überschuldung steigt an

Der Grundtrend des Vorjahrs setzt sich fort: Die Überschuldungsfälle mit juristisch relevanten Sachverhalten reduzierten sich deutlich um rund 125.000 Fälle. Fälle mit geringer Überschuldungsintensität (nachhaltige Zahlungsstörungen) stiegen hingegen um ca. 115.000 Fälle. Deutschlandweit bleiben rund vier Millionen Menschen in einer harten und damit tieferen Überschuldungsspirale gefangen. Von 2006 bis 2019 stieg die Zahl der Überschuldungsfälle insgesamt um 611.000 (plus 18 Prozent).

Überschuldung in Deutschland: Etwas Licht, aber noch viel Schatten

Offensichtlich spiegelt sich im deutlichen Rückgang der „harten Überschuldung“ zeitversetzt auch der seit Jahren kontinuierliche Rückgang der Privatinsolvenzverfahren und der Langzeitarbeitslosigkeit. Zugleich korrespondiert der vergleichsweise deutliche Anstieg der „weichen Überschuldung“ mit den Folgen einer zunehmenden Konsumverschuldung, die sich durch fast alle Altersgruppen zieht.

Der langjährige Konjunkturboom in Deutschland hat nicht dazu beigetragen, dass die Armutsgefährdungs- und Überschuldungsquoten zurückgegangen sind. Angesichts eingetrübter konjunktureller Rahmenbedingungen ist wohl nicht mit einer nachhaltigen Entspannung der privaten Überschuldungslage in Deutschland zu rechnen. Nicht nur vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die Überschuldungszahlen in Deutschland trotz aktuellem Positivtrend in der näheren Zukunft wieder steigen werden. Für viele Verbraucher bleibt die Überschuldungsampel in den nächsten zwölf Monaten auf „rot“.

Top 3 Bundesländer

Hohe Schuldnerquote

Bremen: 14,02 % (+ 0,08)
Sachsen-Anhalt: 12,71 % (- 0,02)
Berlin: 12,31 % (- 0,12)

Niedrige Schuldnerquote

Bayern: 7,31 % (- 0,12)
Baden-Württemberg: 8,23 % (- 0,08)
Thüringen: 9,21 % (- 0,09)

Top 3 Landeshauptstädte

Niedrige Schuldnerquote

Mainz: 8,03 % (+ 0,16)
Potsdam: 8,66 % (- 0,26)
München: 8,96 % (+ 0,13)

Hohe Schuldnerquote

Wiesbaden: 17,09 % (+ 0,07)
Saarbrücken: 16,80 % (+ 0,25)
Magdeburg: 14,31 % (- 0,20)

Kernaussagen

  • 6,9 Millionen Bürger überschuldet
  • Bundesweite Überschuldungsquote von 10 Prozent
  • Osten entwickelt sich besser als Westen
  • Quote bei Altersarmut fast verdoppelt
  • Überschuldung trifft alle Milieus

Osten verbessert sich, Westen stagniert

In den alten Bundesländern sind derzeit rund 5,8 Millionen Bürger überschuldet, in den neuen Bundesländern gut 1,1 Millionen. Zwar ist die Überschuldungsquote im Osten mit rund 10,3 Prozent höher als die im Westen (9,9 Prozent). Das liegt aber in Abwanderungsbewegungen, im Rückgang der Einwohnerzahl, die ein sichtbares Absinken der Überschuldungsquote verhindert.

Das sich die Lage im Osten Deutschlands über die Jahre kontinuierlich verbessert hat, wird an der Zahl der absoluten Überschuldungsfälle deutlich. Sie sinkt im Osten um 11.000 Fälle. Im Westen stieg sie um 1.000 Fälle an. Auch der Rückgang der harten Überschuldung ist im Westen (minus 2,9 Prozent) schwächer ausgeprägt als im Osten (minus 3,3 Prozent). Die weiche Überschuldung steigt im Westen um 4,4 Prozent und im Osten um nur 2,7 Prozent.

Ländertrend ohne Veränderung

Die leicht positive, aber uneinheitliche Entwicklung spiegelt sich auch im Vergleich der Überschuldungszahlen nach Bundesländern: Zehn Bundesländer verzeichnen einen Rückgang der Überschuldungsquote. Bayern (7,31 Prozent) und Baden-Württemberg (8,23 Prozent) führen weiterhin das Ranking der Bundesländer mit der geringsten Überschuldung an. Thüringen (9,21 Prozent) folgt auf Rang drei vor Sachsen (9,81 Prozent). Die Schlusslichter bilden wie in den Vorjahren Bremen (14,02 Prozent), Sachsen-Anhalt (12,71 Prozent) und Berlin (12,31 Prozent).

Weibliche Überschuldung nimmt zu

7,65 Prozent der Frauen über 18 Jahre gelten als überschuldet und nachhaltig zahlungsgestört. Bei den Männern sind es aktuell rund 12,5 Prozent. Die Überschuldungsfälle nahmen bei den Frauen in 2019 weiter zu (2,7 Millionen; plus 6.000 Fälle). Bei den Männern nahmen sie weiter ab (4,2 Millionen; minus 16.000 Fälle).

Altersarmut fast verdoppelt

Der Faktor „Altersüberschuldung“ gewinnt weiter an Bedeutung. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der verschuldeten Rentner über 70 Jahre mit zusätzlichen 118.000 Fällen auf insgesamt 381.000 Menschen um fast die Hälfte angestiegen (plus 45 Prozent). Die Überschuldungsquote (2,95 Prozent) bleibt allerdings weiterhin deutlich unter den Vergleichswerten anderer Altersgruppen. Im Langzeitvergleich 2013 / 2019 wird die überdurchschnittliche Zunahme mit einem Anstieg von 243 Prozent deutlich. Ganz anders ist die Entwicklung von Überschuldungszahl und -quote bei den Jüngeren: Hier waren 12,13 Prozent (minus 1,34 Punkte) oder 1,42 Millionen junge Menschen in Deutschland unter 30 Jahre überschuldet (minus 167.000 Fälle).

Überschuldung – ein Problem aller Milieus

Vertiefende Sonderauswertungen belegen, dass die Zunahme von Überschuldungszahlen und -quoten in den vergangenen 15 Jahren mit der Entwicklung der Armutsgefährdung, aber auch mit der Entwicklung der Einkommens- und Vermögensungleichheit in Deutschland korrespondiert. Sie zeigen allerdings auch, dass Überschuldung in nicht von Armut betroffenen Schichten und Milieus anzutreffen ist.

Gastbeitrag 2019 „Soziale Schuldnerberatung“

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Überschuldung in Deutschland

Der SchuldnerAtlas Deutschland untersucht, wie sich die Überschuldung von Verbrauchern innerhalb Deutschlands kleinräumig verteilt und entwickelt und hat sich als regionales und kommunales Arbeitsinstrument etabliert.

Als überschuldet gelten Personen, die ihren Zahlungsverpflichtungen mit großer Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum nicht nachkommen können, da die zu leistenden Gesamtausgaben höher sind als die zu erwartenden Einnahmen. Mit Hilfe der Schuldnerquoten, das heißt dem Anteil der Personen mit Negativmerkmalen im Verhältnis zu allen Personen ab 18 Jahren, kann die Überschuldung in ihrer geographischen Verteilung bis hin auf die Ebene von Straßenabschnitten dargestellt werden.

Der SchuldnerAtlas Deutschland erscheint jeden Herbst und wird vom Verband der Vereine Creditreform e. V., von microm Micromarketing-Systeme und Consult GmbH und von Creditreform Boniversum veröffentlicht. Die Redaktion liegt bei Dr. Rainer Bovelet, Aachen.

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